Über hausgemachte Bürokratie

“Interessant ist dabei, dass Bürokratie vorrangig als politikveranlasste Überregulierung von außen erlebt wird. Die hausgemachte Bürokratie wird nicht thematisiert. Aber was ist mit der internen Engstirnigkeit, was ist mit der managementgetriebenen Regelungswut? Was ist mit den explodierenden Standard Operating Procedures? Was ist mit den unendlich vielen Online-Formularen und Fragebögen, all den Vorschriften und Instrumenten, die wenig mehr erzeugen als Kundenablenkungsenergie? Was ist mit den Unmengen an Sitzungen, Tools, Plänen und Kontrollsystemen? All den Transaktionskosten-Schleudern, den Budgetrunden, Controlling-Routinen, Dokumentationspflichten, Performance-Messungen, all den zeitraubenden Aufgaben, die uns von dem abhalten, was uns bei der Arbeit Freude macht? All das ist Absicherungsaktionismus, es dient der Angst vor dem Risiko, vor Macht- und Kontrollverlust. Ohne große Mühe kann man in den Unternehmen ganze Misstrauens-Abteilungen identifizieren, die ihre Zeit damit verbringen, Leute zu überwachen. Zu überprüfen, ob sie auch tun, was sie tun sollen. Und sie mit Formularen und Regularien unter neurotischen Dauerstress setzen.”

Reinhard K. Sprenger (2014). Das anständige Unternehmen.

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